17. Januar - 3. Februar 2020

RECHERCHE für die zukünftige Installation “Biounity Puzzle”: Walhai Studien mit LAMAVE, Pintuyan (Philippinen)

Reserach Stay LAMAVE_Philippines

Aktuell begleite ich für eine Woche die Wissenschaftler*Innen der Organisation LAMAVE (Large Marine Vertebrates Research Institute Philippines) an ihrem Forschungsstandort in Pintuyan.  Meine künstlerische Recherche gilt hier Walhaien, den größten Fischen unseres Planeten. Die Erfahrung soll insbesondere mein zukünftiges Kunstwerk BIOUNITY PUZZLE bereichern (s. u.). Um diese bedrohte Spezies zu studieren, benutzen die Forscher als Recherche-Instrument sog. „Photo-Identification“. Dabei machen sie sich die einzigartigen Fleckenmuster auf der Haut der Walhaie zunutze; sie sind vergleichbar mit einem menschlichen Fingerabdruck. Mit Hilfe einer Software, die ursprünglich von der Weltraumagentur NASA zum Vermessen von Sternennetzen benutzt wurde, können sie die Tiere „matchen“ und auf diese Weise u. a. deren Migrationswege nachvollziehen.

Diese ID-Technik ist für mich interessant, da sie mit meinen bisherigen künstlerischen Metaphern zu “Hautmustern“ (skin patterns) – insbesondere dem Hexagon-Motiv – in Wechselwirkung treten kann. Siehe dazu im Detail meine Publikation (2019): online PDF. Die Haut von einem aktuell durch LAMAVE identifizierten Walhais zeigt ebenfalls ein Hexagon-Muster.

Das während des Recherche-Aufenthalts entwickelte Material soll insbesondere mein geplantes Kunstwerk BIOUNITY PUZZLE bereichern. Über die zentrale HEXAGON-Metapher wird mir diese Installation erlauben, eine Vielzahl von ökologischen Themen aus einer holistischen Perspektive zu beleuchten: Zum einen lassen sich über die Walhai Studie künstlerische Verbindungen zum Thema „Mikroplastik“ herstellen, das im Fokus meiner letztjährigen Expedition über den Pazifik an Bord des Forschungsschiffs SONNE von Vancouver (CAN) nach Singapur stand. Walhaie gehören zur marinen Megafauna, die sich über die Filtrierung von Meerwasser ernährt, und somit unmittelbar von der Mikroplastikverschmutzung der Ozeane betroffen iat; siehe dazu folgender online Artikel. Mit Hilfe der Hexagon-Metapher möchte ich mit der Installation BIOUNITY PUZZLE aber nicht nur mit Blick auf die Themen „Plastikverschmutzung“ und „marine Biodiversität“ sensibilisieren, sondern auch in Bezug auf damit verknüpfte Inhalte zum weiteren Themenkreis globale „Klimaveränderung“: Wasserkrise und Desertifikation (ausgetrocknete Erde bildet häufig Risse in Hexagonform); das seit einigen Jahren zu beobachtende Verschwinden von Insektenpopulationen (insbesondere Honigbienen), das als Anzeichen für das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte gedeutet wird (Honigwaben sind in Hexagonform strukturiert).

Der Titel BIOUNITY PUZZLE greift diesen Gedanken auf: Das Kunstwerk soll aus zahlreichen frei hängenden Leinwänden in Hexagon-Form bestehen. Jede einzelne Leinwand wird einem anderen Themenkreis gewidmet sein und so zum einen die Diversität/Komplexität des Themas widerspiegeln. Gleich einem herausgelösten Puzzleteil stammt jede Hexagon-Leinwand aus einem anderen thematischen „Heimat-Puzzle“ (z. B. einer wissenschaftlichen, philosophischen oder literarischen Annäherung an das Thema). In der Installation agiert jede Hexagon-Leinwand als ein repräsentatives Fragment seines Heimat-Themas. Dabei möchte ich auf den Hexagon-Leinwänden auch Spuren der Interaktion zwischen unterschiedlichen Leinwänden/Themen materialisieren. Dass in all dieser Biodiversität und Komplexität gleichzeitig auch eine einfache, alle Elemente einende Bio(Teil-)identität zu finden ist, soll in der Installation BIOUNITY PUZZLE mit dem Hexagon-Motiv zum Ausdruck gebracht werden. Dieses Muster findet sich in lebendiger (Menschen, Tiere, Pflanzen) und toter Materie, in von Tieren und von Menschen entwickelten Produkten (Architektur), in unterschiedlichen Elementen (Erde/Sonnenreflektionen im Wasser) etc. Dieses gemeinsame Muster mag uns daran erinnern, dass alle Elemente unseres Universums Teil eines größeren Ganzen mit fragilen Wechselwirkungen sind, die nicht zuletzt eine gegenseitige Verantwortung begründen.

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