Das S@ndschloss – ein Workshop zum Thema “Big Data, ChatGPT und soziale Medien”
Themenkreis: Projektpädagogik, Resonanzpädagogik, Big Data, ChatGPT, artifizielle Intelligenz (AI), Komplexität, soziale Netzwerke, nachhaltige Entwicklung, Informationsgesellschaft, künstlerisch-interdisziplinäre Techniken des Storytellings.
Das S@ndschloss ist ein künstlerisch-interdisziplinärer Storyteller-Workshop, der eine fächerübergreifende Arbeit zum Themenkreis „Big Data, ChatGPT und soziale Netzwerke“ ermöglicht. Schüler*innen sind heutzutage nahezu allgegenwärtig einer Vielzahl von digitalen Tools ausgesetzt. Für sie soll der Workshop den Aufbau eines „mentalen Schutzfilms“ und von „Warnradaren“ fördern, die ihr psychologisches Gleichgewicht stärken. Dieses Ziel durch eine manuelle künstlerische Arbeit anzugehen, steht in der Tradition von Marshall McLuhan, einem der Begründer der zeitgenössischen Medienforschung: Als alternatives Milieu zur technologischen Welt kann die (manuell gestalterische) Kunst ein starkes Gegenmittel für die betäubenden und berauschenden Einflüsse elektronischer Medien sein und damit mehr denn je einen wertvollen Ansatz zur Schulung von Wahrnehmung und kritischem Urteilsvermögen bieten. Das pädagogische Konzept des Workshops stellt die Herausforderung in den Mittelpunkt, der sich jeder Mensch im digitalen Zeitalter gegenüber sieht: Wie positioniere ich mich gegenüber dem schier unerschöpflichen Ozean an Informationen, der uns über die unzähligen Medien zur Verfügung steht (ChatGPT, …)? (Wie) können wir ihn beherrschen, filtern und nutzbar machen?
Durch die Schaffung einer experimentellen und kollektiven künstlerischen Skulptur erforschen und diskutieren die Teilnehmer*innen folgenden Themen:
- die Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Natur (fragil, langsam und unvollkommen) und der „Allmacht“ des digitalen Gedächtnisses;
- der Sinn von Anstrengung, Nachdenken, Zeitverlust und Irrtümern;
- die Quellen/Rolle (1) von punktuellem Vergnügen, nachhaltiger Zufriedenheit, Wohlbefinden/Glücksgefühl; (2) Erschöpfung, Frustration, Unwohlsein, Depression, Burnout;
- Auswirkungen von Big Data auf die Verteilung der politischen und gesellschaftlichen Macht sowie auf die Umwelt (nachhaltige Entwicklung).l’impact du big data sur la distribution du pouvoir politique et sociétal aussi bien que sur l’environnement (développement durable).
Die Annäherung an diese Themen über eine manuelle künstlerische Arbeit zielt darauf ab, während des Entwicklungsprozesses Erfahrungen zu machen, die konkrete Anknüpfungspunkte für die Fragestellungen liefern (Momente der Anstrengung, der Frustration, der Zufriedenheit, …). Dieses Konzept zielt auch darauf ab, dass die „reale“ und die digitale Welt weniger als Gegensätze betrachtet werden, sondern vielmehr als zwei Welten, die sich durchaus gegenseitig bereichern können.
Die Schüler*innen erforschen unterschiedliche Metaphern (Netzwerk, Sand, Ozean) anhand von philosophischen/literarischen Texten, Objekten und Fotos; z. B. mittels der Erzählung Das Sandbuch (1975) des argentinischen Schriftstellers Jorge Luis Borges (1899-1986). In der Geschichte ist das „Sandbuch“ ein Buch mit unendlich vielen Seiten, ohne Anfang und Ende; es zieht seinen Eigentümer zunächst magisch an, wird dann immer mehr zur Obsession und treibt ihn schließlich fast in den Wahnsinn. So manche Stimmen meinen, Borges habe mit dieser Erzählung das Internet vorhergesagt.
Als konzeptionelles Gegenmodell zu dieser Welt des (Informations-)überflusses lernen die Teilnehmer*innen den Ansatz der surrealistischen Literaturgruppe OuLiPo kennen. Danach werde der Mensch gerade durch die bewusste Einschränkung seiner Optionen und Einführung von Beschränkungen dazu angeregt, originelle Lösungen zu finden und bisher ungenutzte Kreativpotenziale freizulegen.